Wenn Angst Angst macht
Wie Panikgefühle sicher überwunden werden können
Rund 6 Millionen Menschen in
Deutschland leiden unter Angststörungen. Ein gewißes Maß an Angst ist normal
und schützt vor Gefahr, unkontrollierte Panikgefühle aber sind für die
Betroffenen die Hölle. Zu den häufigsten Angststörungen gehören die Agoraphopie
(Platzangst), die Sozialphobie (Angst vor anderen Menschen), die Höhenangst,
die Klaustrophobie, die Angst vor Schlangen und Insekten und die Angst zu
erröten. Mittlerweile gibt es diverse Methoden wie die Verhaltenstherapie, die
progressive Relaxation oder die direkte Konfrontation mit der angstauslösenden
Situation, um die Angst zu überwinden.
Frühkindliche Erfahrungen
Die Wurzeln für die späteren
Ängste können in die Kindheit zurückreichen. Die amerikanische
Psychoanalytikerin Jane Goldberg sieht den Geburtsvorgang und die Abnabelung
von der Mutter nach der schützenden Welt des Uterus als Schock für das Kind an.
Zum ersten Mal im Leben des Neugeborenen erlebt es Furcht und Grauen in einer
für ihn fremden Umgebung. Nur im Mutterleib erfährt der werdende Mensch die
totale Ruhe, Geborgenheit, Wärme und die permanente Nahrungszufuhr über die
Nabelschnur wie niemals mehr im Leben. Von Ausnahmefällen, in denen die werdende
Mutter trinkt, raucht oder Drogen nimmt, einmal abgesehen.
Die Geister der Vergangenheit besiegen
Als Kind erlebt jeder Mensch
Trennungsängste, wenn Vater oder Mutter abwesend sind. Wenn diese Ängste nicht
angemessen abgefangen werden, wird das künftige Leben von Furcht dominiert. Vor
allem in Streßsituationen mit hohen emotionalen Belastungen wie beim Tod eines
geliebten Menschen, einer Prüfung oder der Trennung einer nahestehenden Person
tauchen diese Geister aus der Vergangenheit wieder auf der Bildfläche auf.
Anerzogene Ängste hingegen wie vor Spinnen oder Schlangen können später
wegtherapiert und ‘gelöscht’ werden. Dazu muß nicht unbedingt ein
professioneller Therapeut zu Rate gezogen werden. Die kleine Nina erlebte, wie
ein befreundetes Mädchen mit Schrecken und lautem Geschrei auf Spinnen
reagierte. Nina eignete sich dieses Verhalten an und lief ihrerseits ebenfalls
zur ihren Eltern, wenn sie eine Spinne sah. Ihr Vater hingegen gab den Tierchen
hübsche Namen und sprach freundlich über sie. Er erreichte mit seinem
gelassenen Verhalten, dass Ninas Ängste zurückgingen.
Konfrontation mit Schlangen und Co.
Bekannt sind Therapieformen,
in denen Erwachsene mit einer bestimmten Situation oder dem Objekt ihrer Angst
konfrontiert werden. Der Proband soll die automatisierten körperlichen
Reaktionen wie beschleunigten Puls, Atemnot, Blutdruckanstieg und Anspannung
der Muskulatur aushalten lernen. Die Steuerungsvorgänge steigen bis zu einem
bestimmten Punkt an und von alleine wieder ab. Es bleibt ein Rest von Angst
zurück. Der Patient lernt, dass nichts Schreckliches passiert. Nichts von dem,
was er sich in seiner Phantasie vorgestellt hat. Bei noch nicht lange
bestehenden Phobien kann die Habituation nur wenige Minuten dauern, bei über
Jahre oder Jahrzehnte eingeschliffenen Phobien dauert es unter Umständen
Stunden, bis die extremen Ängste abklingen. Es müssen mehrere Konfrontationen
mit den gefürchteten Tieren oder Orten stattfinden, bis die Angst auf ein
normales Maß reduziert wird. Diese Konfrontationen sollten auf jeden Fall unter
Aufsicht eines erfahrenen Therapeuten stattfinden.
Totale Isolation
Angst ist nicht gleich
Angst. Wer sich vor Ungeziefer oder anderem Getier fürchtet, ist nicht in
demselben Maße belastet wie jemand, der unter einer Sozialphobie oder gar
Panikattacken leidet. Die Tier sind - zumindest im Winter - weniger
anzutreffen, wohingegen bei Agoraphobikern oder Menschen mit Sozialphobie die
Lebensqualität stark eingeschränkt wird. Bei der Agoraphobie werden große
Plätze, Menschenansammlungen, Brücken, das Fahren mit dem Bus, Zug oder Auto
und das Schlange stehen zur Qual. Das Gefühl, in der Öffentlichkeit in Ohnmacht
zu fallen und einen schlechten Eindruck zu hinterlassen, ist für solche
Menschen unerträglich. Sie versuchen, diese Situationen zu vermeiden und ziehen
sich immer mehr zurück.
Entspannung erlernen
Diese Angst kann sich so
steigern, dass Agoraphobiker das Haus alleine gar nicht mehr alleine verlassen.
Nur der Therapeut kann helfen, indem er mit dem Patienten Situationen
durchspricht, ihn ermuntert, alleine einkaufen zu gehen. Sollte das nicht
funktionieren, bietet sich die progressive Relaxation an. Es handelt sich um
ein Muskelentspannungs-Training nach Edmund Jacobson, der sie als Physiologe
1929 zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorstellte. Das Originaltraining von
Jacobson umfasst sehr viele Muskelgruppen und rund 30 Einzelübungen.
Mittlerweile existieren auch Kurzprogramme, die es auch in Buchform mit
Begleit- und Anleitungs-CD gibt.
Progressive Muskelentspannung hilft
Der Hintergrund für diese
Entspannungsmethode ist folgende: Entspannung hemmt Angst. Weiter erlernt der
Patient, dass er seine Gefühle kontrollieren kann. Auch bei der Sozialphobie
eignen sich sowohl die progressive Relaxation als auch die Verhaltenstherapie
sowie ein soziales Kompetenztraining. Menschen mit Sozialphobie bekommen Angst,
wenn sie mit anderen Menschen zusammenkommen. Sie möchten nicht auffallen,
denken, dass alle sie anstarren und andere ihr Erröten, Zittern, Schwitzen und
heftiges Atmen bemerken könnten. Diese Patienten bewerten sich sehr negativ und
haben hohe Ansprüche an andere. Sie sind ablehnend und kritisch. Da sich diese
Menschen extrem zurückziehen, sollte unbedingt ein Therapeut herangezogen
werden, um ihnen zu helfen.
Panikattacken vermeiden lernen
Phobiker haben nicht nur
ihre speziellen Ängste, sondern auch ‘Angst vor der Angst’. Sie kann sich im
schlimmsten Fall zur Panik verstärken, die in Attacken aus heiterem Himmel
hereinbrechen. Innerhalb kürzester Zeit gerät dieser Mensch in Todesangst.
Dieser Anfall klingt schnell wieder ab, sollte aber ernst genommen werden.
Solche Panikattacken lösen bei den Patienten ein sogenanntes Schonverhalten
aus. Sie vermeiden körperliche Anstrengung und Betätigung, was dazu führt, dass
der Puls schon beim Treppensteigen rast. Neben der Therapie und der
Muskelentspannung sollte der Therapeut mit dem Patienten auch gemeinsam Sport
treiben. Ein Intervalltrainign, bei dem Herzklopfen, Schwitzen und schnelles
Atmen normale körperliche Reaktionen sind, bietet sich an. Der Patient lernt,
dass ihm Sport guttut und er ihn und die körperlichen Reaktionen darauf
aushalten kann.
© Corinna S. Heyn
Internet:
www.angstselbsthilfe.de
www.netdoctor.de
www.entspannungsverfahren.com
CD’s:
Literatur:
-Dietmar Ohm, Stressfrei
durch Progressive Relaxation. Trias Relax CD, Stuttgart 2003.
-Dietmar Ohm, Progressive
Relaxation für Kids. Nur kein Stress: Wie Du ganz easy durch jede uncoole
Situation kommst. Trias CD, Stuttgart, 1999.
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